Geschichten

Beitrag vom 27. August 2026

Autorin: Fiona Schlumpf

Rubriken: Aida-Frauen erzählen, Aus dem Aida-Alltag

Frauen unterstützen, die denselben Weg gehen wie ich damals

Arta Fetaj kommt ursprünglich aus dem Kosovo und lebt seit mehreren Jahren mit ihrer Familie in der Schweiz. Seit einem Jahr arbeitet sie bei Aida als Klassenassistentin. Im folgenden Blogartikel erzählt Arta, wie es dazu kam und wie ihr Arbeitsalltag ausschaut.

Wie bist du bei Aida Klassenassistentin geworden?

Ich war selbst Kursteilnehmerin bei Aida und habe dort Deutschkurse von A2 bis C1 besucht. Bei Aida habe ich mich von Anfang an sehr wohl und willkommen gefühlt. Immer wenn ich wegen der Arbeit, der Geburt meiner Kinder oder familiärer Verpflichtungen eine Pause machen musste, hatte ich das Gefühl, dass mir etwas fehlte. Sobald ich wieder Zeit hatte, setzte ich meinen Deutschkurs fort, bis ich schliesslich das Niveau C1 abschloss.

Nach diesem Abschluss wollte ich weiterhin Teil von Aida bleiben. Es war mir ein grosses Anliegen, Frauen zu unterstützen, die denselben Weg gehen wie ich damals.

Zu dieser Zeit gab es bei Aida ein Projekt, bei dem Kursteilnehmerinnen ihre Hobbys und Talente mit anderen Frauen teilen konnten. Da Backen und Kochen meine Leidenschaft sind, wollte ich Backkurse anbieten. Mein Ziel war es, den Teilnehmerinnen das Backen näherzubringen und gleichzeitig ihren deutschen Wortschatz rund ums Backen zu erweitern.

An einem schönen Abend im April 2025 hatte ich dafür einen Apéro vorbereitet. An diesem Abend setzte sich die Co-Geschäftsleiterin von Aida, Konstanze Thomas, neben mich. Während unseres Gesprächs spürte ich ihre grosse Wertschätzung und ihre Unterstützung für Frauen und Menschen, die Hilfe brauchen. Ich erzählte ihr von meinem grossen Wunsch, bei Aida mitzuarbeiten und Frauen auf ihrem Weg zu begleiten, weil ich ihre Situation aus eigener Erfahrung sehr gut kenne.

Sie schenkte mir diese Chance, und dafür bin ich ihr bis heute von Herzen sehr dankbar.

In welchem Kurs und seit wann bist du bei Aida Klassenassistentin?

Seit August 2025 arbeite ich als Kursassistentin bei Aida. Gemeinsam mit Ruth, einer sehr erfahrenen Kursleiterin, begleite ich den Kurs „Alphabetisierung: Vertiefung –  lesen, schreiben, sprechen“.

Es ist für mich eine grosse Ehre, mit ihr zusammenzuarbeiten. Ich lerne jedes Mal von ihr, entdecke neue Unterrichtsmethoden und sammle wertvolle Erfahrungen.

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Was macht dir an deiner Tätigkeit am meisten Freude?

Am meisten freut es mich, die Fortschritte unserer Kursteilnehmerinnen zu sehen. Jedes neue Wort und jeder Satz, den sie sprechen oder schreiben können, macht mich glücklich.

Manchmal applaudiere ich sogar vor Freude, wenn ich sehe, wie Fortschritte die Frauen machen. Es erfüllt mich mit Stolz zu sehen, wie sie die Wörter und Sätze, die sie mit Ruth und mir gelernt haben, selbstbewusst im Alltag anwenden können.

Was sind Herausforderungen, denen du in deiner Arbeit begegnest?

Eine Herausforderung ist, dass unser Kurs kein festes Lehrbuch hat. Ruth und ich überlegen uns deshalb jede Woche neue Themen. Gemeinsam planen wir den Unterricht, bereiten die Materialien vor und erstellen passende Hausaufgaben.

Was ist dir an deiner Arbeit besonders wichtig?

Mir ist wichtig, mich persönlich und beruflich stetig weiterzuentwickeln und immer mehr Erfahrung zu sammeln.

Ebenso wichtig ist es mir, unsere Kursteilnehmerinnen zu motivieren, ihnen Selbstvertrauen zu geben und sie auf ihrem Weg zu unterstützen. Ich wünsche mir, für sie ein Vorbild zu sein und ihnen zu zeigen, dass mit Geduld und Fleiss vieles möglich ist.

Gibt es einen Moment im letzten Semester, an den du dich besonders gerne erinnerst?

Ja, ich habe viele schöne Momente bei Aida erlebt. Einen davon werde ich nie vergessen.

An diesem Tag war unser Thema Verben. Damit das Lernen einfacher und lebendiger wurde, verbanden wir jedes Verb mit einer Bewegung. Beim Verb „laufen“ gingen wir durch das Klassenzimmer, bei „tanzen“ tanzten wir gemeinsam.

Dann wollte eine Kursteilnehmerin zeigen, dass sie Haare flechten kann. Sie setzte mich auf einen Stuhl und begann, mir die Haare zu flechten. Immer wenn ich meinen Kopf ein wenig bewegte, hielt sie ihn mit den Händen fest und sagte lachend: «Nicht bewegen!» Wir mussten alle so herzlich lachen, dass uns die Tränen kamen.

Für mich zeigt dieser Moment, dass Aida viel mehr ist als nur eine Sprachschule. Hier lernen Frauen nicht nur Deutsch, sondern erleben auch Freude, Gemeinschaft und viele schöne gemeinsame Momente.

Gibt es etwas, auf das du dich im neuen Semester besonders freust?

Ich freue mich darauf, unsere Kursteilnehmerinnen weiterhin auf ihrem Weg begleiten zu dürfen und ihre Fortschritte mitzuerleben. Ausserdem freue ich mich darauf, gemeinsam mit Ruth neue Ideen für den Unterricht umzusetzen und viele weitere schöne Momente mit unseren Teilnehmerinnen zu erleben.

Welchen Rat möchtest du Frauen geben, die sich in einer ähnlichen Situation wie du befinden?

Mein Rat ist: Gebt niemals auf.

Eine neue Sprache zu lernen braucht Zeit, Geduld, Ausdauer und viel Übung. Es ist besser, jeden Tag ein wenig zu lernen, als aufzugeben.

Ausserdem möchte ich allen Frauen sagen: Habt keine Angst vor Fehlern. Es ist viel besser, zu sprechen und Fehler zu machen, als aus Angst gar nichts zu sagen. Nur wer spricht, kann lernen.

Ohne Sprachkenntnisse fühlt man sich in einem fremden Land oft verloren. Deshalb lohnt sich jeder einzelne Schritt.

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Was sind deine nächsten beruflichen Schritte?

Mein nächstes Ziel ist es, den SVEB-Kurs zu absolvieren. Dort möchte ich neue Methoden und didaktische Kompetenzen erwerben, die mich in meiner Tätigkeit weiterbringen.

Mein grosser Wunsch ist es, als diplomierte Kursleiterin Frauen mit Freude, Respekt, und Herz auf ihrem Weg begleiten zu dürfen.