Geschichten

Beitrag vom 5. September 2022

Autorin: Michaela Tanner

Rubriken: Aida-Frauen erzählen

«Die deutsche Sprache ist der Schlüssel zum Verständnis dieses Landes»

Eine Kursteilnehmerin erzählt.

Sandra Ramirez lebt seit 21 Jahren in der Schweiz und lernt momentan auf dem B2-Niveau. Sie ist Mutter von zwei erwachsenen Kindern und arbeitet als Servicemitarbeiterin.

Hallo, mein Name ist Sandra Ramirez und ich komme aus Mexiko.

Meine Muttersprache ist Spanisch und ich lebe seit 2001 in der Schweiz. Wie viele Menschen verstand ich damals keinen Tropfen Deutsch. Anfangs war es sehr schwierig für mich, diese Sprache zu verstehen, obwohl ich sie nie als «hässliche» Sprache betrachtete, aber es war schwierig für mich, ihre Struktur zu verstehen.

Die Wörter sind mir immer auf Englisch eingefallen und ich wollte, dass mich alle verstehen, nur weil ich gut Englisch konnte. Aber mit der Zeit wurde mir klar, dass es wichtig ist, Deutsch zu lernen, nicht nur um in die Arbeitswelt einzusteigen, sondern auch, um mit Einheimischen zu sprechen, obwohl der Dialekt hier die Sprache ist. Deutsch zu können, ist der Schlüssel zum Verständnis dieses Landes, denn eine gute Mehrheit spricht diese Sprache.

Ich glaube, ich lerne seit 2006 bei Aida und habe auf dem Niveau A1 angefangen, den B1-Kurs vielleicht drei Mal wiederholt und sehr lange Pausen gemacht, da ich während dieser Zeit Aushilfsjobs hatte. Dort habe ich Deutsch gelernt, obwohl mir die Grammatik fehlte. An dieser Schule gefällt mir, dass es eine sehr grosse kulturelle Vielfalt gibt. Ich persönlich habe Menschen in verschiedenen Situationen kennengelernt, die ganz andere Bedürfnisse haben als ich. Das bereichert meine Person.

Die Lehrerinnen bei Aida sind Frauen, die sehr erfahren im Umgang mit Frauen unterschiedlicher Nationen und Status sind, was mich sehr verwundert, da man sie anderswo nicht findet.

Ich lerne immer noch Deutsch, was zum Glück nicht mehr so kompliziert ist wie am Anfang, obwohl ich immer noch Probleme habe, die Grammatik zu verstehen. Ich habe immer noch den Wunsch, zu lernen, ohne mich darum zu kümmern, ob ich wiederhole oder meine Aufgaben nicht richtig sind. Den Aida-Mitarbeiterinnen ist bewusst, dass es nicht für alle einfach ist, diese Sprache zu verstehen und zu sprechen. Die Schulgebühren sind erschwinglich, das gefällt mir.

Ich hoffe, dass diese Schule weiterwächst, damit viele von uns keine Kommunikationsprobleme haben. Ich wünsche Aida viele Erfolge zum Jubiläum und muss sagen, dass wir in St.Gallen Glück haben, eine solche Schule zu haben, weil ich glaube, dass es in der ganzen Schweiz keine gemeinnützige Frauenschule gibt.

Herzlichen Glückwunsch, Aida!

Dieser Text erschien abgedruckt in der Jubiläumszeitung